Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 1, S. 37-57

Von der Ur- zur Kulturlandschaft

Autoren: Erika Gobet, Willy Tinner

ZUSAMMENFASSUNG Erstmalige paläoökologische Untersuchungen zum Hochmoor Schwantenau, dem Flachmoor Langacher in Freienbach sowie dem Lauerzersee liefern zusammen mit früheren Studien aus dem Bödmerenwald und dem Egelsee (Menzingen, Kanton Zug) interessante Hinweise auf die naturräumliche Beschaffenheit und auf menschliche Spuren im Gebiet des heutigen Kantons Schwyz. Zwischen der Abschmelzphase der letzten Eiszeit (zirka 21’000 v. Chr.) und zirka 16’000 v. Chr. herrschten sehr kalte und trockene, arktische Bedingungen vor. Danach prägten nördlich der Alpen waldfreie Steppentundren die Landschaft bei kaltem und trockenem Klima. Um 12’700 v. Chr. breiteten sich boreale, kälteliebende Wälder in den tieferen und mittleren Lagen aus. Der markante Temperatureinbruch der jüngeren Dryas (zirka 10’500–9600 v. Chr.) drängte die Föhrenwälder in der Schwantenau und anderen Regionen wieder zurück. Infolge eines raschen und grossen Temperaturanstiegs (4–5 °C) zu Beginn des Holozäns kam es in den tieferen Lagen bei kontinentalem Klima zur Ausbreitung wärmeliebender, laubwerfender Wälder. Das Klima wechselte spätestens um 6200 v. Chr. zu feucht-sommerkühleren, ozeanischeren Bedingungen, die Buche und die Weisstanne breiteten sich aus. Mögliche Hinweise auf den Anbau von Kulturpflanzen reichen bis ins Spätmesolithikum (zirka 6500 v. Chr.) zurück. Seit zirka 5500 v. Chr. beeinflusste die Landwirtschaft die Vegetation und die Landschaft im heutigen Kanton Schwyz – anfangs schwach, dann zunehmend.
In der Zeit vom Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit (2300 v. Chr.) bis heute wechseln sich Phasen verstärkter Rodungstätigkeit (Brandrodung) und Wiederbewaldungstendenzen ab. Ab 300 n. Chr. wurde der Walnussbaum (Juglans regia) als Fruchtbaum wichtig; zahlreiche andere Anbaupflanzen gewannen an Bedeutung, während die Wälder zurückgedrängt wurden. Um 1200 n. Chr. wurden die Wälder durch rege land- und forstwirtschaftliche sowie bauliche Tätigkeiten nochmals stark dezimiert. Die intensive Waldnutzung und die Verwendung von Holz als Bau- und Brennmaterial hielten bis in die Neuzeit an. Erst im letzten Jahrhundert erholte sich der Wald aufgrund der eidgenössischen Forstgesetzgebung.

 

Band 1


Band 2


Band 3


Band 4


Band 5


Band 6