Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 1, S. 191-217

Lebensformen im Spätmittelalter 1200-1350

Autor: Georges Descoeudres

ZUSAMMENFASSUNG Im Spätmittelalter erfolgte eine verstärkte Erschliessung des Raumes einerseits durch verdichtetes Siedeln, andererseits durch Ausweitung des Siedlungsgebietes in Form eines Landesausbaus mittels Rodung und Trockenlegung von Böden. Archäologisch lassen sich diese Siedlungsprozesse im Alten Land Schwyz indirekt durch die Entstehung von Turmburgen wie Perfiden und der Ahaburg fassen, die beide als Zentren der Kolonisationstätigkeit gelten. Turmburgen als herrschaftliche Gehöfte landwirtschaftlicher Ausrichtung stellten die im Land Schwyz typische Burgform dar. Gewissermassen als Gegenstück dazu konnten im Talkessel von Schwyz mehrgeschossige Blockbauten aus dem 12. bis 14. Jahrhundert nachgewiesen werden, bei denen es sich um Herrenhäuser handelte.
Ein Ordnungselement im ausgebauten Siedlungsraum stellten die Landwehren dar, wie sie im 14. Jahrhundert rund um den Talkessel von Schwyz errichtet wurden. Als wehrtechnischer Schutz waren sie wohl von geringer Wirkkraft. Aus heutiger Sicht wird man diese Letzimauern als architektonische Zeichen zu deuten haben, welche die Entstehung eines politischen Kollektivbewusstseins sichtbar machten.
Die Erweiterung beziehungsweise Verdichtung des Siedlungsraumes wird indirekt auch durch den Neubau von Kirchen sowie durch den Ausbau bestehender Gotteshäuser fassbar. Parallel dazu scheinen sich eigentliche Pfarrsprengel herausgebildet zu haben, die ihren architektonischen Ausdruck in der Errichtung von Glockentürmen fanden und solcherart den Unterschied zwischen Haupt- und Nebenkirchen markierten.
Im Raum Schwyz sind im 13. Jahrhundert drei Frauenklöster gegründet worden, die im Sinne der damals neuen Formen der Frömmigkeit eine Missionswirkung nach innen ausgeübt haben dürften. Zur selben Zeit wird im Kloster Einsiedeln die Entstehung eines Wallfahrtsbetriebes sichtbar. Der wachsende Pilgerstrom machte bauliche Massnahmen wie die Vergrösserung der Klosterkirche, den Bau einer Umfassungsmauer, die Errichtung eines Vorhofes für den Devotionalienhandel, die Bereitstellung von Unterkünften und den Ausbau von Weg und Steg erforderlich.

 

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