Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 1, S. 131-189

Frühes und hohes Mittelalter

Autoren: Karin Fuchs, Georges Descoeudres

ZUSAMMENFASSUNG Das Gebiet des Kantons Schwyz ist im frühen und hohen Mittelalter nur als Teil von grösseren politischen und herrschaftlichen Strukturen zu erfassen: Es gehörte in frühmittelalterlicher Zeit zum Zürichgau, der im Hochmittelalter Teil des Herzogtums Schwaben war und vor allem als Durchgangsland nach Süden wichtig war.
Unterschiedliche spätantike Voraussetzungen in den einzelnen Regionen beeinflussten die frühmittelalterlichen Entwicklungen: Die Nähe zu den antiken Verkehrsverbindungen führte ab dem 7. Jahrhundert im Zürichseegebiet zu einer gut belegten Siedlungstätigkeit, zum Bau von Klöstern und Kirchen sowie zu einer relativ kleinräumigen herrschaftlichen Organisation. Für den Raum Küssnacht ist eine frühmittelalterliche Besiedlung sehr wahrscheinlich. Im Talkessel Schwyz setzte die Besiedlung, wenn auch in kleinerem Umfang, im frühen 7. Jahrhundert ein. Die Waldstatt Einsiedeln scheint nicht besiedelt, wohl aber begangen und bewirtschaftet gewesen zu sein. Nur vereinzelte Quellenfenster geben Einblick in die frühmittelalterliche Lebenswelt: So sehen wir im Zürichseegebiet eine vermögende Familie, die ihren Besitz organisiert. Dazu gehören verschiedene Abhängige. Wie diese einfachen Leute gelebt haben, wissen wir jedoch nicht.
Die Gründung des Klosters Einsiedeln bei der Zelle des heiligen Meinrad im 10. Jahrhundert steht in überregionalem Kontext. Die Abtei stand als ottonisches Reformkloster bis zum 12. Jahrhundert in einem weit gespannten Beziehungsfeld zu Königen und Herzögen, aber auch zum süddeutschen monastischen Umfeld. Reiche Zeugnisse dafür finden sich im Archiv und in der Bibliothek des Klosters.
In allen Regionen ist bis ins 12. Jahrhundert von einer Verdichtung der Besiedlung auszugehen. Überall ist klösterlicher Besitz belegt, der Adel spielt hingegen eine weniger wichtige Rolle. Vor 1200 ist für den Talkessel Schwyz weder von Bevölkerungsdruck noch von einer organisierten Gemeinschaft auszugehen. Hingegen wird bis zum Ende des 12. Jahrhunderts die kirchliche Organisation des Raumes durch Pfarreien sichtbar.

 

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