Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 2, S. 231-251

Kirchliche Verhältnisse

Autor: Oliver Landolt

ZUSAMMENFASSUNG Zahlreiche schriftliche Dokumente wie auch archäologische Funde aus mittelalterlicher Zeit zeugen von der zunehmenden Durchdringung des Raums des heutigen Kantons Schwyz durch das Christentum. Das Bedürfnis nach einer ausreichenden Seelsorge der einheimischen Bevölkerung zeigt sich in der Abkurung zahlreicher Pfarreien im Laufe des Mittelalters im gesamten Gebiet des heutigen Kantons und der Entstehung einer ausgeprägten Sakrallandschaft mit Kapellen, Beinhäusern, Wegkreuzen und Bildstöcken. Weite Bevölkerungskreise hatten teil an einer mit abergläubischen Vorstellungen durchsetzten Volksfrömmigkeit.
Während die Gründung der Benediktinerabtei Einsiedeln in hochmittelalterliche Zeit zurückführt, entstanden im heutigen inneren Kantonsteil einzelne Beginengemeinschaften, welche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts klösterliche Strukturen annahmen (Zisterzienserinnenkloster Steinen, Dominikanerinnenkloster St. Peter am Bach in Schwyz, Terziarinnenkloster St. Josef in Muotathal). Interdikt und Kirchenbann als klerikale Machtinstrumente prägten im 14. Jahrhundert den religiös-kirchlichen Alltag der einheimischen Bevölkerung, wobei die Schwyzer Obrigkeit wie die Pfarrgemeinden eine aktive Kirchenpolitik zu betreiben begannen. Elemente dieser Kirchenpolitik waren einerseits die Durchsetzung des Pfarrwahlrechts durch die einzelnen Kirchgemeinden, andererseits die Bekämpfung steuerlicher wie gerichtlicher Privilegien des Klerus. Auch wurden von der Schwyzer Obrigkeit Klosterpfleger eingesetzt, welche zumindest über den weltlichen Besitz der Klöster eine gewisse Kontrolle ausübten. Der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli, welcher zwischen 1516 und 1518 Leutpriester in Einsiedeln war, ist mit den Anfängen der
Reformation in Schwyz in besonderer Weise verbunden. In einzelnen Pfarreien konnte der Same des reformierten Glaubens kurzfristig zum Keimen gebracht werden, wobei die neuen Glaubensvorstellungen schon bald wieder ausgelöscht wurden. Mit dem Sieg der Innerschweizer Katholiken über die Reformierten im zweiten Kappelerkrieg 1531 wurde die Existenz des reformierten Glaubens im schwyzerischen Herrschaftsgebiet endgültig beendet, wenn auch im Untergrund, insbesondere in Arth, Anhänger des neuen Glaubens bis ins 17. Jahrhundert weiterhin agierten.

 

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