Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 2, S. 147-165

Söldner- und Pensionenwesen

Autor: Oliver Landolt

ZUSAMMENFASSUNG Im frühen 14. Jahrhundert kam es im europäischen Raum zu einer eigentlichen militärischen Revolution, indem Krieger zu Fuss die bis anhin das Kampfgeschehen dominierenden Ritterheere in verschiedenen Treffen besiegten. Die Schlachtensiege bei Morgarten 1315 und Sempach 1386 und den nachfolgenden kriegerischen Konflikten im 15. Jahrhundert festigten das Ansehen der Kriegsleute aus dem Gebiet der werdenden Eidgenossenschaft. Dieser militärische Ruhm liess eidgenössische Söldner zu einem begehrten Exportartikel werden. Das Aufkommen des Söldnerwesens im innerschweizerischen Raum korrespondierte mit der Entwicklung der ursprünglich autark organisierten Agrarwirtschaft hin zu einer monoagrarisch ausgerichteten und exportorientierten Viehwirtschaft, wodurch Arbeitskräfte frei wurden. Söldner aus dem Gebiet des heutigen Kantons Schwyz standen schon im 13. Jahrhundert im Dienste europäischer Potentaten und Mächte. Insbesondere der unkontrollierte Aufbruch von Reisläufern war den Obrigkeiten ein Dorn im Auge. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde versucht, das Soldwesen stärker zu kontrollieren: Ausländische Mächte erhielten die Konzession, Söldner zu werben, und bezahlten dafür öffentliche Pensionen an die eidgenössischen Stände wie auch «heimliche» Pensionen, das heisst Bestechungsgelder, an politisch einflussreiche Kreise. Dieses Pensionenwesen war im späten 15. wie auch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts politisch hoch umstritten und führte immer wieder zu Unruhen. Obwohl durch den Reislauf aus dem Ausland stammendes Geld in die eidgenössischen Orte gepumpt wurde und sich ein gewisser Wohlstand selbst in den Bergregionen entwickelte, müssen auch die negativen Auswirkungen dieser militärischen Migrationsströme hervorgehoben werden. So ist der hohe Blutzoll zu erwähnen, den die Kriegszüge im Dienste ausländischer Herrschaftsträger forderten; ebenso stellten die damaligen Zeitgenossen eine allgemeine Sittenverrohung fest, welche mit dem Reislauf- und Pensionenwesen einherging.

 

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