Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 3, S. 69-127

Militärunternehmertum, Aussenbeziehungen und fremdes Geld

Autorin: Nathalie Büsser

ZUSAMMENFASSUNG Wie andere eidgenössische Orte und einzelne Regionen in Europa hat das Land Schwyz in der Frühen Neuzeit von der kriegsbedingt steigenden Nachfrage nach Soldaten profitiert. Mit verschiedenen, teils untereinander verfeindeten Mächten schloss Schwyz als souveräner Kleinstaat Bündnisse ab, worin es seinen Partnern das exklusive Recht für den Bezug von Söldnern zusicherte.
Dank den Fremden Diensten und den Bündnisbeziehungen zu auswärtigen Fürsten gelangten Pensionengelder, verbilligtes Salz und Korn sowie Know-how ins Land. Auf diese Weise konnte das schwyzerische Staatswesen auf die Erhebung regelmässiger direkter Steuern und den Unterhalt eines stehenden Heeres verzichten und dennoch seine Verwaltung ausbauen. Zusätzlich waren die Landleute direkt an gewissen Erträgen – diese gehörten zum Gemeinbesitz – beteiligt und hatten Anspruch auf einen Teil der Pensionen: die Teilkrone. Jedoch partizipierten nicht alle Landleute gleich an den durch die Aussenbeziehungen vermittelten Ressourcen. So verstärkten die ins Land strömenden Subsidien die sozioökonomischen Ungleichheiten und führten immer wieder zu heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen.
Weil die Schwyzer Obrigkeit als Vermittlerin zwischen den auswärtigen Fürsten und den lokalen Militärunternehmern fungierte, waren das Soldwesen und die Politik eng miteinander verzahnt. Praktisch alle führenden Geschlechter waren militärunternehmerisch tätig und verfestigten sich zu einer abgeschlossenen Schicht. Um ihre ökonomische und politische Machtstellung abzusichern, mussten die Familien in der Schwyzer Politik wie im Soldwesen eine führende Rolle spielen. Zur Festigung dieser keineswegs stabilen Position – die Landsgemeinde war de facto die höchste Gewalt im Land – entwickelten die Militärunternehmer- und Magistratengeschlechter kollektive Strategien. Praktisch alle Verwandten, auch weibliche, hatten sich in den Dienst des familiären Soldgeschäfts zu stellen.

 

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