Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 3, S. 195-215

Wirtschaften in der Frühen Neuzeit

Autor: Oliver Landolt

ZUSAMMENFASSUNG Die bereits im Spätmittelalter einsetzende Umstrukturierung der Landwirtschaft mit einer weitgehenden Spezialisierung auf Vieh- und Milchwirtschaft fand im Laufe der Frühen Neuzeit ihren Abschluss. Die attraktiven urbanen und bevölkerungsreichen Marktzentren südlich wie nördlich der Alpen mit ihrer Nachfrage nach Vieh- und Milchprodukten hatten diese ökonomische Entwicklung im innerschweizerischen Voralpen- und Alpengebiet in starkem Masse gefördert. Weitgehend vernachlässigt wurde im Gegenzug der Acker- beziehungsweise Getreidebau, wodurch man auf Importe angewiesen war. In Krisenzeiten konnte sich diese Abhängigkeit von auswärtigen Getreidelieferungen speziell negativ auswirken. Einen gewissen Ausgleich bot der Obstanbau; Obst in getrockneter Form stellte für die vormoderne Bevölkerung eine wichtige Nahrungsquelle dar. Finanziell zunehmend lukrativ wurde im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts die Bewirtschaftung der ausgedehnten Wälder im Gebiet des heutigen Kantons Schwyz; speziell die Stadt Zürich hatte einen riesigen Bedarf an Schwyzer Exportholz. Allerdings wurde mit dieser nachwachsenden Ressource Raubbau betrieben, weswegen Schutzmassnahmen getroffen werden mussten. Weitgehend lokal oder höchstens regional ausgerichtet waren Handwerk und Gewerbe. Ein auf die Pilgerindustrie spezialisiertes Gewerbe existierte im Klosterdorf Einsiedeln, wobei das Kloster Inhaber dieser Gewerbe war. Anfänge der Verlagsindustrie lassen sich im späten 17. Jahrhundert im schwyzerischzürcherischen Grenzgebiet wie auch in der Waldstatt Einsiedeln feststellen. Die zahlreich überlieferten Gültverträge, mit welchen Liegenschaften und sonstige Güter belastet wurden, zeugen von der grossen Bedeutung des Kredits in der frühneuzeitlichen Schwyzer Wirtschaft. Verschiedene seit dem späten 16. Jahrhundert unternommene Bergbauversuche blieben erfolglos; lukrativer war der Betrieb von Steinbrüchen. Verschiedene über das heutige Kantonsgebiet verteilte Ziegeleien lieferten den Baustoff für die allmähliche Umwandlung der Holzhäuser in Steinhäuser. Einzelne Hinweise zeugen für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Existenz von Glashütten im waldreichen Ybrig und im Alptal, wobei dieser Glasproduktion wenig Erfolg beschieden war.

 

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