Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 3, S. 129-163

Zwischen Konkurrenz und Kooperation – «Aussenpolitische» Beziehungen im 16. und 17. Jahrhundert

Autor: Peter Niederhäuser

ZUSAMMENFASSUNG Über Sold- und Pensionenverträge in die europäische Politik eingebunden, Glied der eidgenössischen und katholischen Schweiz sowie Teil einer Landkarte mit grösseren und kleineren angrenzenden Orten und Herrschaften, hatte Schwyz Beziehungen gegen «aussen», die in ganz unterschiedliche Richtungen liefen. Als Stichworte lassen sich Europa-, Bündnis-, Religions-, Regional-, Wirtschafts- oder Nachbarschaftspolitik anführen. Die einzelnen Dimensionen dieser Beziehungen sind schwer voneinander abzugrenzen. Die Übergänge zur Innenpolitik verliefen oft fliessend. «Aussenpolitik» zeigt sich als ein vielschichtiger Prozess, der sich einerseits in einem eidgenössisch-innerschweizerischen Rahmen abspielte, andererseits durchaus Besonderheiten aufwies und sehr stark von Personen geprägt wurde.
Die «grosse» europäische Politik widerspiegelte sich in der Bildung von zwei lockeren Parteien im Länderort selbst, welche sich an Frankreich oder an Spanien orientierten. Dieser Gegensatz setzte sich in der eidgenössischen Politik fort, die von der europäischen Mächtekonstellation mitbestimmt wurde. Als gegen innen wie aussen Identität stiftende beziehungsweise ausgrenzende Klammer gewann die Religion in der Frühen Neuzeit entscheidendes Gewicht. Das Ziel einer Wahrung des alten Glaubens band die katholischen Orte der Eidgenossenschaft enger aneinander und führte gegen aussen zu Sonderbündnissen mit katholischen Fürsten. Die religiöse Perspektive bestimmte auch die Politik dieser Orte in den Gemeinen Herrschaften, vor allem im Thurgau, wo die labilen lokalen Machtverhältnisse immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den protestantischen Orten führten.
Die katholische Eidgenossenschaft bildete jedoch keine Einheit, sondern war jeweils die Summe einzelörtischer Interessen. Schwyz nahm sich hier immer wieder grosse «Freiheiten» heraus, zumal die konfessionellen Anliegen oft genug mit herrschaftlichen Streitigkeiten verbunden waren. Konkurrenz stand so neben Kooperation, verlangten doch nachbarschaftliche Fragen im Verhältnis mit Zürich, Luzern, Glarus oder auch dem Kloster Einsiedeln trotz religiösen oder anderen Grenzen nach einvernehmlichen Lösungen.

 

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