Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 3, S. 243-271

Religion und Kirche im Alltag

Autor: Stefan Jäggi

ZUSAMMENFASSUNG Zwischen der Mitte des 16. und dem Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelt sich der Stand Schwyz zu einem typisch katholischen Territorium; Leitbegriffe dafür sind Konfessionalisierung, katholische Reform und Barock. Die Schwyzer Obrigkeit normiert und diszipliniert zunehmend nicht nur das politische, sondern auch das religiöse Leben und kontrolliert den Alltag der Bevölkerung auf Rechtgläubigkeit und Einhaltung der Vorschriften, die immer weitere Bereiche des Lebens erfassen. Anzeichen abweichenden Verhaltens werden konsequent verfolgt, wobei der Nikodemitenhandel von Arth auch die Grenzen der obrigkeitlichen Kontrolle aufzeigt. Auf der anderen Seite tritt als typisch barockes Element eine «ostentative Verschwendung» zutage, die vor allem in der Ausprägung einer Sakrallandschaft mit den Neubauten und Neugründungen von Klöstern sowie den Neu- und Umbauten von Pfarrkirchen, Kapellen und zahlreichen religiösen Kleinbauten sichtbar wird. Auch das private religiöse Interieur erfährt eine neue Ausgestaltung, wobei auf die typisch schwyzerischen Türgerichte mit Heiligendarstellungen hingewiesen sei.
Unmittelbar auf die seelsorgerliche Betreuung der Bevölkerung mit Gottesdienst, Sakramentenspende und Lehre wirkt sich die von der Obrigkeit durchgesetzte Reform des Seelsorgeklerus aus. Eine zentrale Rolle bei der Durchdringung der Pfarreien mit dem Geist der tridentinischen Reformen spielen die neu konzipierten Bruderschaften, allen voran die auf die Förderung des individuellen und kollektiven Gebets ausgerichteten marianischen Bruderschaften (Rosenkranzbruderschaften); sie werden – nicht zuletzt auch wegen des uneingeschränkten Einbezugs der Frauen – zu einer wichtigen sozioreligiösen Klammer innerhalb der Pfarreien. Zu einem verstärkten religiösen Gemeinschaftsgefühl tragen die verordneten Wallfahrten und andere Inszenierungen wie Prozessionen, Theateraufführungen und Reliquientranslationen bei. Ausgesprochen volkstümliche Züge erhält die Religiosität im Brauchtum, wobei hier die Grenzen zu Aberglauben und magischen Aktivitäten fliessend sind; in den Hexenverfolgungen erfährt dieser Aspekt eine gewaltsame Ausformung.

 

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