Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 4, S. 147-165

Die Zeit der Weltkriege

Autor: Erwin Horat

ZUSAMMENFASSUNG Zwischen 1914 und 1945 behaupteten sich die Schweiz und darin eingeschlossen der Kanton Schwyz zweimal in einem sehr schwierigen Umfeld. Die Schweiz überstand beide Weltkriege ohne militärische Auseinandersetzung. Während des Ersten Weltkriegs sah sie sich mit einer konventionellen Bedrohungslage konfrontiert: Nationalstaaten kämpften um die Vorherrschaft. Im Zweiten Weltkrieg war die Schweiz nach dem Juni 1940 von totalitären Staaten umgeben, was neutralitätswidrige Kompromisse nötig machte, insbesondere bei der wirtschaftlichen Kooperation.
In beiden Weltkriegen leisteten die Männer viele Monate Aktivdienst; die Frauen hatten einen erhöhten Einsatz in der Wirtschaft und in der Familie zu erbringen. Die fehlende soziale Absicherung der Soldaten führte zwischen 1914 und 1918 zu grossen Problemen. Während des Zweiten Weltkriegs deckte die Wehrmannsausgleichskasse den Lohnausfall. In beiden Weltkriegen stellte die Versorgung des Importlandes Schweiz eine grosse Herausforderung dar. Weil der Staat im Ersten Weltkrieg nicht vorgesorgt hatte und die Massnahmen (Rationierungen und Mehranbau) zu spät einsetzten, erhöhten sich die Preise massiv, was zu grosser Not führte. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte der Staat aus diesen Erfahrungen gelernt und die nötigen Vorkehrungen getroffen.
Die grossen Schwierigkeiten während des Ersten Weltkriegs, zugespitzt durch den Landesstreik 1918, führten zu einer scharfen Polarisierung im Kanton Schwyz. Die auslösenden Faktoren waren der Truppeneinsatz beim Landesstreik und die an der Grippe verstorbenen Soldaten. Das Verhältnis der politischen Kräfte war bis zur Mitte der 1930er-Jahre belastet und akzentuierte sich in den Wahl- und Abstimmungskämpfen. Verschärft wurde die politische Lage durch die wirtschaftlichen Probleme der Bauern in den 1930er-Jahren. Einerseits war der Viehexport zusammengebrochen, andererseits sorgte das 1930 angenommene Alkoholgesetz für weitverbreitete Missstimmung. Die Bemühungen um die Revision der Alkoholgesetzgebung führten zu einer Politisierung der Bauern. Im Steiner Handel 1942 kamen die Wut und die Frustration der Bauern zum Ausbruch.

 

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