Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 4, S. 45-65

Vom Stand zum Kanton Schwyz

Autor: Erwin Horat

ZUSAMMENFASSUNG Der Zeitabschnitt von 1798 bis 1848 gehört zu den turbulentesten Phasen der Schwyzer Geschichte. Nach dem Sieg bei Rothenthurm gegen die Franzosen und der «ehrenvollen Kapitulation» gab es den Stand Schwyz nicht mehr; der innere Kantonsteil, Einsiedeln eingeschlossen, gehörte zum Kanton Waldstätten, der äussere zum Kanton Linth. Die Jahre der Helvetik sind geprägt von Widerstand und grosser finanzieller Bedrängnis. Die Mediationsakte brachte nicht nur eine politische Beruhigung, sondern sie restituierte auch den Kanton Schwyz.
Mit dem Ende der Mediation versuchte das Alte Land Schwyz die politischen Zustände vor 1798 wieder aufleben zu lassen. Durch eine Übereinkunft waren die Landleute aller Bezirke politisch gleichberechtigt, in den Institutionen hingegen erlangte der Bezirk Schwyz eine Zweidrittelmehrheit. Auf Drängen der Tagsatzung legte Schwyz 1821 eine Verfassung ins eidgenössische Archiv, die von der Landsgemeinde weder beraten noch verabschiedet worden war.
1829 entzog die Schwyzer Bezirksgemeinde den ehemaligen Beisassen die politischen Rechte. Die Landleute der Bezirke March, Einsiedeln, Küssnacht und Pfäffikon wurden aufgeschreckt. Nach dem Wechsel der politischen Grosswetterlage infolge der Julirevolution von 1830 kämpften sie für die proportionale Vertretung in den Behörden und eine gerechte Verfassung. Der vom Bezirk Schwyz dominierte Landrat lehnte die Forderungen zuerst mit legalistischen Argumenten ab. Später trat er zu zögerlich darauf ein, sodass die Spaltung nicht zu vermeiden war. Im April 1833 anerkannte die Tagsatzung den «Kanton Schwyz äusseres Land». Nach der Besetzung Küssnachts durch Altschwyz intervenierte die Tagsatzung Anfang August 1833 militärisch. Die Bezirke einigten sich auf die Wiedervereinigung und eine neue Verfassung. Die liberale Regierung unter Nazar von Reding wurde an der Kantonsgemeinde vom 1. Juni 1834 abgewählt; ersetzt wurde sie durch ein konservatives Regiment.
Die konservative Regierung konnte sich bis 1847 an der Macht halten, obwohl der Hörner-und-Klauen-Streit mit dem traurigen Höhepunkt der «Prügellandsgemeinde» von 1838 gezeigt hatte, dass die politischen Spannungen weiterbestanden. Aber die Furcht um die Religion und die Angst vor einer Einbusse an Souveränität einten die Schwyzer in der Abwehr nach aussen und führten in den Sonderbund. Die Niederlage im Sonderbundskrieg und die Besetzung beendeten die Herrschaft des alten Regimes. Mit der Annahme der Kantonsverfassung von 1848 stand der Weg in eine entspanntere politische Zukunft offen.

 

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