Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 4, S. 195-226

Kirchliche Verhältnisse

Autor: Paul Oberholzer

ZUSAMMENFASSUNG Im gesellschaftlichen Leben des Kantons Schwyz spielte das römisch-katholische Bekenntnis in vielen Bereichen eine prägende Rolle. Auch heute noch wird Schwyz als traditionell katholisch wahrgenommen und spontan mit klerikaler Herrschaft und ruraler Rückständigkeit assoziiert. Klöster, Pfarreien und der Klerus übten mit der Feier von Gottesdiensten wohl einen tiefen Einfluss aus. Im Gegenzug aber bestimmten die Inhaber öffentlicher Ämter durch die Beaufsichtigung kirchlicher Wirtschaftsführung und schliesslich die ganze Bevölkerung durch die Wahl der Pfarrer auch die Kirche. So wie die Teilnahme an vom Klerus gefeierten Andachten und Sakramenten eine nicht hinterfragbare Pflicht war, so bedeutete die obrigkeitliche Mitgestaltung kirchlicher Belange eine Selbstverständlichkeit. Diese gegenseitige Verflochtenheit macht bis in die jüngste Vergangenheit eine klare Trennung in einen religiösen und einen weltlichen Bereich unmöglich. Wohl war die Religion bei Angriffen von aussen immer wieder, so besonders zur Zeit der Helvetik, einheitsstiftendes Identifikationsmerkmal. Wiederholt aber wirkten Geistliche und Ordensleute dank ihrer Einbindung in die weltweit agierende Kirche innovativ. An der Gründung neuer Frauengemeinschaften im 19. Jahrhundert und der Neuorientierung der Bethlehem-Missionare von Immensee im ausgehenden 20. Jahrhundert zeigt sich, dass Schwyz ein guter Nährboden für die Entwicklung neuer kirchlicher Wege war, die in ganz Europa Widerhall fanden. Die evangelische Glaubensgemeinschaft etablierte sich erst spät und langsam. In der öffentlich-rechtlichen Anerkennung zeigte sich Schwyz aber aufgeschlossener als andere Kantone. Als integraler Bestandteil der Schwyzer Kultur war die Kirche immer konservativ und innovativ, klerikal sowie staats- und volkskirchlich.

 

Band 1


Band 2


Band 3


Band 4


Band 5


Band 6