Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 5, S. 161-175

Der Tourismus

Autor: Erwin Horat

ZUSAMMENFASSUNG Das Kloster Einsiedeln und die Rigi haben den Kanton Schwyz weltberühmt gemacht. Im Lauf der Jahrhunderte pilgerten Millionen von Wallfahrern ins Klosterdorf. Mit dem spirituellen Zentrum entwickelte sich hier ein reges wirtschaftliches Leben. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts rückte die Zentralschweiz in den Fokus des allmählich einsetzenden Fremdenverkehrs. Luzern war der wichtigste Anziehungspunkt, die patriotischen Stätten und die Rigi profitierten von diesem Magneten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden das Rütli und die Stätten der Tell-Geschichte immer bekannter; die Rigi entwickelte sich zum europäischen Modeberg schlechthin. Dank begeisterten Schilderungen in Reiseberichten stieg die Zahl der Touristen kontinuierlich an. Ein weiterer Grund für die wachsende Besucherzahl war die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur nach 1850: der Ausbau der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee, der Anschluss ans Eisenbahnnetz, die Erweiterung und Verbesserung der Strassen sowie der Bau von Bergbahnen.
Bis zum Ersten Weltkrieg war die Zentralschweiz eine der meistbesuchten Tourismusregionen der Schweiz. Auf der Rigi, am Vierwaldstättersee sowie in Morschach verbrachte die europäische Oberschicht ihre Sommerferien. Im Sog der Luxushotels kümmerten sich preiswertere Hotels, Pensionen und Gasthöfe um die weniger zahlungskräftige Kundschaft. Neben den bekannten Destinationen setzten auch die Regionen Ausserschwyz und Ybrig auf den Sommertourismus.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete den Luxustourismus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der Fremdenverkehr unter veränderten Bedingungen wieder ein. Neue touristische Angebote wie der Tierpark Goldau zogen Tagesausflügler und (Bus-)Reisegruppen an, und der Wintersport entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer wichtigen Stütze des Fremdenverkehrs.

 

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