Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 5, S. 177-207

Die Wirtschaft im 20. Jahrhundert

Autor: Tobias Straumann

ZUSAMMENFASSUNG Das 20. Jahrhundert war in Europa ein Zeitalter der Extreme, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. In der ersten Jahrhunderthälfte bremsten Weltkriege und Wirtschaftskrisen das Wachstum. In der Nachkriegszeit herrschte dagegen fast dreissig Jahre lang Hochkonjunktur. Das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts wiederum war von einer spürbaren Abschwächung des Wachstums und einer beispiellosen Globalisierung gekennzeichnet, die bis heute andauert. Die Schwyzer Wirtschaft war von diesen Trends stark betroffen. Von 1914 bis 1945 stagnierte sie fast vollständig, nicht nur wegen der Kriege und Krisen, die den Tourismus lähmten, sondern auch aus strukturellen Gründen. Die traditionellen Branchen Viehzucht und Hausindustrie waren im 20. Jahrhundert nicht mehr wettbewerbsfähig und erfuhren bis 1950 eine starke Schrumpfung. Nur dank umfangreicher staatlicher Ausgaben konnte eine höhere Arbeitslosigkeit verhindert werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte der Kanton Schwyz vom europäischen Wirtschaftswunder. Der allgemeine Lebensstandard stieg spürbar, viele konnten sich nun zum ersten Mal ein Auto, einen Kühlschrank oder Ferienreisen leisten. Vor allem einige Gemeinden in Ausserschwyz sowie Küssnacht erfuhren ein schnelles Wachstum, weil sie wegen der guten Lage, der moderaten Steuersätze und des billigen Baulands attraktive Wohnmöglichkeiten für Pendler boten. Der Zuzug von gut verdienenden Mittelstandsfamilien nahm ein solches Ausmass an, dass die boomenden Gemeinden die Wachstumsabschwächung seit Mitte der 1970er-Jahre kaum spürten. Der Aufschwung erlaubte es dem Kanton zudem, seit den 1980er-Jahren die Steuern zu senken. Dies wiederum veranlasste kapitalkräftige Unternehmen und vermögende Privatpersonen, sich in Ausserschwyz und Küssnacht niederzulassen, was weitere Steuersenkungen ermöglichte. Trotz genereller Steuersenkungen ist der Kanton Schwyz sehr heterogen geblieben. Während die Behörden in den Ausserschwyzer Gemeinden mit den Grenzen des Wachstums kämpfen, ist in den Schwyzer Berggemeinden weit weniger vom Boom zu spüren.

 

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