Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 6, S. 67-89

Euphorie, Stagnation, Boom: Bauen nach 1850

Autorin: Anja Buschow Oechslin

ZUSAMMENFASSUNG In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts förderten neue Strassenverbindungen und seit 1875 das Schienennetz die bauliche Entwicklung, insbesondere in den vom Tourismus entdeckten Orten der Innerschweiz und im Pilgerort Einsiedeln. Die Ansiedlung von industriellen Unternehmen führte vielerorts, besonders deutlich in Siebnen, zu einem Aufschwung. Neben zahlreichen Hotels entstanden zeittypische Wohnbauten mit vielfach städtischem Charakter. Zu den neuen Bauaufgaben gehörten der Schulhausbau und die Errichtung von Bauten der Fürsorge. Die Bevölkerungszunahme und Verbesserungen im Bereich der Seelsorge zogen am Ende des Jahrhunderts die Errichtung zahlreicher historistischer Pfarrkirchen nach sich. Der «Heimatstil» fand in den 1910er- bis 1930er-Jahren in privaten und öffentlichen Bauten Verbreitung. Hingegen vermochte sich die «Moderne» im Kanton Schwyz nicht durchzusetzen. Infolge der Wirtschaftskrise stagnierte seit der Mitte der 1930er-Jahre die Bautätigkeit im Kanton; Wohnungsmangel machte sich bemerkbar. Mit «Arbeitsbeschaffungsmassnahmen» wurde versucht, das Bauwesen zu unterstützen. Der in den 1960er-Jahren einsetzende Wirtschaftsboom, der bis heute zu einer Verdoppelung der Wohnbevölkerung geführt hat, zog eine enorme Neubautätigkeit nach sich, von der die Regionen unterschiedlich betroffen wurden. Das Gebiet zwischen Seewen und Brunnen, das Ufer des Zürichsees und der Bezirk March sowie das Gebiet um Küssnacht weisen heute ein vielfach chaotisches Siedlungsbild auf. Besonders krass war die Entwicklung im Bezirk Höfe, in dem der wirtschaftliche Aufschwung schon in den frühen Nachkriegsjahren einsetzte und der wegen der Nähe zur Agglomeration Zürich für die Ansiedlung von Industrieunternehmen besonders interessant war.

 

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