Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 6, S. 209-225

Die Mundart im Kanton Schwyz

Autorin: Elvira Jäger

ZUSAMMENFASSUNG Eine eigentliche Schwyzer Mundart im Sinne eines allgemeingültigen Sprachverhaltens im ganzen Kanton gibt es nicht. Die Schwyzer Mundart gehört in der West-Ost-Perspektive zur östlich-nordöstlichen Mundartgruppe. In der Nord-Süd-Perspektive hat sie Anteil am nördlichen und am südlichen Mundartraum. Die Grenze verläuft nämlich bei wichtigen Lautphänomenen durch den Kanton Schwyz hindurch. Der Süden – das Alte Land, fallweise mit oder ohne Einsiedeln – hat häufig die ältere Lautung bewahrt, während der Norden jüngeren Einbrüchen ausgesetzt ist. Neben den Kleinräumen mit lokalen Besonderheiten – zu erwähnen sind etwa das Muotatal, Einsiedeln oder die Region Ybrig – sind innerkantonal zwei Mundart-Kernlandschaften auszumachen: Die eine liegt in Einsiedeln und strahlt mit ihrem wichtigsten lautlichen Phänomen, der diphthongischen Zerdehnung, in die March aus (Leerer wird zu Leirer). Die andere liegt im Raum Schwyz und zeichnet sich beispielsweise durch die Bewahrung von altem -a- in Wörtern wie Aabig/Aabed aus. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird die Mundart im Kanton Schwyz von einem immer stärkeren und rasanteren Wandel erfasst, hauptsächlich bedingt durch die Mobilität und die Durchmischung der Bevölkerung. Vor allem in Ausserschwyz muss man heute von einer eigentlichen Allerweltsmundart sprechen, in der die einstigen Charakteristika fast gänzlich verschwunden sind, eine Entwicklung, die zunehmend auch den inneren Kantonsteil und Einsiedeln erfasst.

 

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