Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 6, S. 175-207

Lebenswelten und Alltag

Autor: Karl Kälin

ZUSAMMENFASSUNG Solange der Wohn- und Arbeitsort nicht getrennt waren, legten die Leute kaum regelmässig grössere Distanzen zurück. Politiker oder Studenten nahmen längere, beschwerliche Reisen zu Fuss oder per Kutsche in Angriff. Das Automobil setzte im 20. Jahrhundert neue Massstäbe. 1965 besass fast die Hälfte aller Schwyzer ein Auto, das Anfang des 20. Jahrhunderts als Verursacher von lästigen Staubwolken und mit einem Bussenhagel bekämpft worden war.
Der Übergang von der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft veränderte die Lebensumstände der Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Schwyz markant. Im 18., 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert verfügten die Menschen pro Kopf über viel weniger Wohnraum und Gegenstände als heute. Die massiv höheren Realeinkommen ab dem Zweiten Weltkrieg ermöglichten immer mehr Leuten die Anschaffung von technischen Geräten wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger, Radio und Fernsehen. Zu einem lokalen Symbol der Konsumgesellschaft avancierten die Shoppingcenter Mythen Center und Seedamm-Center. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Menschen noch weitgehend Selbstversorger und deckten sich auf den lokalen Märkten mit dem Notwendigen ein. Nahrungsmittelknappheiten gehören erst seit den 1840er-Jahren definitiv der Vergangenheit an.
Spiel, Sport, Tanz und Vergnügen lockerten zwar schon im Mittelalter den Arbeitsalltag auf. Aber erst an der Schwelle zum 20. Jahrhundert wuchsen – auch dank immer mehr Freizeit – die Handlungsoptionen mit dem Aufkommen von diversen neuen Sportorganisationen wie Turnvereinen oder Skiclubs. Wie in Musikgesellschaften fristeten die Frauen dort allerdings lange ein Mauerblümchendasein.

 

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