Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 6, S. 41-65

Barocke Baukultur und Kunst

Autor: Markus Bamert

ZUSAMMENFASSUNG Die Bautätigkeit im Barockstil setzte auf dem Gebiet des heutigen Kantons Schwyz um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein und dauerte, sich kontinuierlich entwickelnd, bis zum Ende des Ancien Régimes. Der Stil wird somit in unserer Region rund drei Generationen später fassbar als seine Anfänge im päpstlichen Rom, der Ursprungsstadt des Barock. Der Beginn schwyzerischer barocker Bautätigkeit ist in der Sakralarchitektur zu suchen und griff erst in der zweiten Generation zaghaft und weniger augenfällig auf den profanen Baubereich über. In den europäischen Kunstzentren wandte man sich bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts, üppiger Barockformen überdrüssig, dem strengen Klassizismus zu. Hierzulande blieben diese in Abhängigkeit vom süddeutschen Kulturraum mit seiner späten Ausformung, dem verspielten Rokoko, mehr als eine Generation länger lebendig.
Massgebend für die Entwicklung des Barockstils im heutigen Kanton Schwyz war während 150 Jahren das Kloster Einsiedeln, das enge Beziehungen nach Süddeutschland pflegte. Unter zum Teil direkter Einflussnahme der Einsiedler Benediktiner wurden an die hundert Sakralbauten im Barockstil erbaut oder modernisiert. Es entstand eine kaum überblickbare Zahl von Altaraufbauten unterschiedlichster Qualität und Ausformung. Die Einsiedler Grossbaustelle zog ab dem frühen 18. Jahrhundert zahlreiche Künstler aus dem oberitalienischen und dem süddeutschen Raum an, die über lange Zeit dort wohnten und Schüler ausgebildet haben. Diese arbeiteten oft noch während Jahrzehnten nach veralteten Musterbüchern und Stichvorlagen, die auch bei weiteren Bauten zur Anwendung gelangten.
Den als Militärunternehmer und Diplomaten tätigen Landpatriziern gelang es vorab in Schwyz, repräsentative Hofstätten zu realisieren. Dabei scheint ein gewisser Konservativismus gepflegt worden zu sein; man hielt während des 17. Jahrhunderts bewusst an Formen des 16. Jahrhunderts fest. Interessanterweise ist der Einfluss des «neuen Stils» gar beim ländlichen Bauen zu verfolgen; beharrlich hat er – einmal akzeptiert – bis ins 19. Jahrhundert prägend für die Orts- und Landschaftsbilder gewirkt.

 

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