Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 6, S. 263-279

Schwyzer Geschichtskultur

Autor: Roger Sablonier

ZUSAMMENFASSUNG Zur Geschichtskultur gehören alle Arten der Beschäftigung mit Geschichte im öffentlichen Raum – deren Aufarbeitung, Darstellung und sogenannter Gebrauch. Es gibt zahlreiche, ganz unterschiedliche Gebrauchssituationen von Geschichte. Besonderes Interesse beansprucht die Verwendung von kollektiven und individuellen Geschichtsbildern in der politischen Überzeugungsarbeit und Wertevermittlung. Schwyzerische Geschichtskultur im Sinne von politisch relevanter Gedächtniskultur und Erinnerungspolitik ist sehr stark von national-eidgenössischen Bildern des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt, Vorstellungen von Befreiung und früher Staatsgründung, die wenig mit den Vorgängen um 1300 zu tun haben, aber für die schweizerische politische Kultur sehr wirksam geworden sind. Die traditionelle Schweizer Geschichte wies den Schwyzern eine Rolle als staatengründendes, urdemokratisches und kriegstüchtiges Bergvolk zu. Entsprechend besetzten der Bundesbrief mit dem Bundesbriefmuseum, Morgarten und die Hohle Gasse als sichtbare Geschichtszeugen den Vordergrund der Bühne und bestimmten das geschichtliche Selbstverständnis in Schwyz. Für die innere Integration und die Zusammengehörigkeitsgefühle im heutigen Kanton Schwyz waren insbesondere die Bundesjubiläumsfeiern von 1891 von Bedeutung. Demgegenüber wurden andere als «eidgenössische» Vorgänge, etwa die Befreiung der «Untertanen» (Angehörigen und Beisassen) nach 1798, nicht zum Anlass des öffentlichen Geschichtsgedenkens; die bedeutende Stellung des Klosters Einsiedeln schaffte es nicht einmal bis in die Requisitenkammer kollektiven Geschichtsbewusstseins. In neuester Zeit macht sich eine zunehmende Ablösung von diesen älteren eidgenössischen Traditionen und gleichzeitig eine Hinwendung zu lokalen und kleinregionalen schwyzerischen Überlieferungen bemerkbar.

 

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