Das Sozial- und Gesundheitswesen

Zusammenfassung

Ansätze zu einer staatlichen Fürsorge gab es schon im 18. Jahrhundert. Nach 1803 entfaltete der Staat eine stärkere gesetzgeberische Tätigkeit im Fürsorgebereich. Dieser folgten allerdings auf der Ebene der Gemeinden und Bezirke nur zögerlich konkrete Massnahmen, wenn sich nicht, wie etwa in Schwyz, Private für die Einrichtung von Armenanstalten engagierten. Der Aufbau einer systematischen kommunalen Fürsorge gelang erst in der politisch bereinigten Situation nach 1848. Deren Ziel war die Verbesserung der Situation bedürftiger Personen, aber auch die Kontrolle und Disziplinierung nonkonformer Erscheinungsformen sozialer Not. Erst das «Gesetz über die Sozialhilfe» aus dem Jahr 1983 nahm neue, auf Integration und Partnerschaftlichkeit angelegte fürsorgerische Leitbilder auf und markierte damit einen deutlichen Bruch mit der traditionellen Fürsorge. Die Errichtung und der Ausbau der Sozialversicherungen führte in Bezug auf bestimmte Armutsrisiken wie das Alter zur Entlastung der Fürsorge. Der gesellschaftliche Wandel der Nachkriegszeit und wirtschaftliche Krisen liessen aber neue Armutsrisiken entstehen, die nach wie vor über die Sozialhilfe abgesichert werden müssen. Der Aufbau eines öffentlichen Gesundheitswesens begann in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mit der Aufstellung von Behörden, dem Erlass rechtlicher Vorschriften zur Seuchenbekämpfung und zur Ausübung medizinischer Berufe. Im Zuge der Professionalisierung der Ärzteschaft wurden medizinische Laien im Laufe des 19. Jahrhunderts als «Kurpfuscher» aus dem ärztlichen Berufsfeld verdrängt. Unter dem Einfluss der Hygienebewegung richteten die Behörden ihr Interesse zunehmend auch auf die sanitarische Kontrolle von öffentlichen Gebäuden und auf die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Zentrale Bereiche des Gesundheitswesens wurden jedoch nicht von der öffentlichen Hand, sondern von Privaten aufgebaut, nämlich die Spitäler und die ambulanten psychiatrischen Dienste. Erst ab 1960 respektive 1984 beteiligte sich der Kanton an den Kosten dieser Institutionen. In den 1990er-Jahren kam es zu einem tief greifenden Reformprozess im schwyzerischen Gesundheitswesen.


Das Sozial- und Gesundheitswesen
Die Geschichte des Kantons Schwyz, Band 5, S. 243-270
Autorin: Sabine Lippuner

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