Die neuen «Mitteilungen» 2022 sind da!


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Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 2022 (Heft 114) erschienen


Von Schwertern, Zimmermännern und Frevlern

Dass «Zufallsfunde» die Basis für spannende Geschichte(n) sein können, beweisen die aktuellen «Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz». Diese spannen den Bogen von frühneuzeitlichen Schwertern über den Holzbrückenbau bis zu Delikten und Strafen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

«Geschichte» ist nicht in Stein gemeisselt. Oft kommt es vor, dass neu entdeckte Quellen unser Bild oder unsere Einschätzung der Vergangenheit verändern. Sie können aber auch ein Bild ergänzen und bestätigen. Der von Ralf Jacober redigierte Band 114 der «Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz» vereinigt auf 190 Seiten mehrere Beiträge, die genau dies leisten.
 
Schwyzer Startschwierigkeiten in die moderne Schweiz
Die Helvetische Revolution von 1798 pflügte das politische System der Alten Eidgenossenschaft um. Mit dem Anbruch der Mediation 1803 wurde die Basis für die neue Schweiz gelegt. Die Kantone erhielten einen rechten Teil ihrer Kompetenzen zurück, ohne dass die Eidgenossenschaft als Überbau komplett verschwand. In der Schwyzer Geschichtsschreibung bis heute wenig beachtet wurde die erste eidgenössische Tagsatzung, die vom Juli bis September 1803 in Fribourg stattfand. Ein Kopienbuch hat Jürg Auf der Maur auf die «Spur» der Schwyzer Verhandlungsdelegation Carl Zay und Alois Reding gebracht. Minutiös rekonstruiert er die Schwyzer Position in Bezug auf die grundsätzlich diskutierten Fragen des Föderalismus, der Rolle der Religion oder der Staatsausgaben – die sich übrigens wenig von der Haltung des Kantons im 21. Jahrhundert unterscheidet ... Der Autor zeigt auf, wo die Schwyzer mit ihren Forderungen durchdrangen – so etwa bei der Kantonalisierung des Postwesens – oder wie sie bei der Frage der Militär-Abkommen mit Frankreich auf verlorenem Posten standen. Letztlich genehmigte die Tagsatzung die Schwyzer Verfassung von 1803 – und die Schwyzer Landsgemeinde wiederum stimmte im November 1803 dem Verhandlungsergebnis der ersten Tagsatzung zu.
 
Neuentdeckung eines Kopienbuchs des Arthers Carl Zay (1754–1816) mit Schwyzer Instruktionen für die erste eidgenössische Tagsatzung in Freiburg von 1803. Das Dokument und weitere Originalquellen bringen neue Einsichten zu Startproblemen von Schwyz in die Moderne. (Bild: Privatarchiv Schoeck, Ingenbohl/Jürg Auf der Maur, Goldau)

Die «Suworowbrücke» – ein Werk von Zimmermann Marty
Bis anhin war über den Bau der hölzernen «Suworowbrücke» eingangs des Muotatals wenig bekannt. Peter Inderbitzin kann dank Angaben aus der Schwyzer Landesrechnung nicht nur eine zeitliche Einordnung des Abbruchs der beschädigten Vorgängerbrücke aus Stein und des Neubaus der Holzbrücke in den Jahren 1809 und 1810 vornehmen. Auch den Baumeister, Zimmermann Franz Marty aus Ingenbohl, identifiziert er. Die Kosten für den Neubau lagen bei rund 3320 Gulden; die kurze Zeit später erstellte Brücke über die Linth beim Schloss Grinau schlug mit 3900 Gulden zu Buche.
Schwyzer Landesrechnungen bringen Licht in Baugeschichte der «Suworowbrücke» von 1809–1810 eingangs des Muotatals. Dieses Aquarell schuf der Arther Bürger und «Kleinmeister» Johann Heinrich Triner (1796–1873) um 1850. (Bild: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, graphische Sammlung/Michael Tomaschett, Schwyz)
 
Joachim Raffs Schwyzer Zeit
Über die musikalischen Leistungen des Komponisten Joachim Raff (1822–1882) sind viele Seiten geschrieben worden. Bis jetzt weniger beleuchtet wurden seine Kinder-, Jugend- und Ausbildungsjahre in Lachen und Schwyz. Auf der Basis umfangreicher Quellenstudien – vor allem des Tagebuchs von Josef Gmür aus Amden, mit dem Joachim Raff von 1838 bis 1840 in Schwyz das Kollegium besuchte – zeigt Basil Vollenweider nicht nur, welch grosse Bedeutung die Musik für Raff schon während der Studienzeit in Schwyz hatte. Raff, Enkel des politisch gewichtigen Lachners Franz Joachim Schmid, kam in einer politisch heissen Phase nach Schwyz. Der Kampf zwischen liberalen und konservativen Kräften prägte auch den Alltag am Kollegi, wie zahlreiche Begebenheiten zeigen. So wird das Eintauchen in die Jugendjahre von Raff zu einer Reise in das Herz der Schwyzer Politik in der Zeit des Hörner- und Klauenstreits.
 
Schwertfund im Zürichsee
Im Frühling 2020 fand ein Ausflügler im Zürichsee bei Freienbach die ziemlich intakten Überreste eines 118 cm langen Schwertes. Adrian Baschung hat den Fundkomplex mit Schwert, Beimesser und weiteren Gegenständen untersucht und den Anderthalbhänder in die Entstehungszeit 1540 bis 1550 einordnen können. Woher das Schwert stammt, konnte bisher nicht eruiert werden.
470 Jahre nicht bewegtes Fundensemble: Dieses Schwert samt dazugehörendem Beimesser und Essdorn fand ein Ausflügler im April 2020 im Zürichsee bei Freienbach. (Bild: Unterwasserarchäologie Zürich)

Nach «Dorfrecht» bestraft
Mit dem Ende der Helvetischen Republik 1803 kehrte der Kanton Schwyz zu den alten Rechtsverhältnissen zurück. Damit wurden die Bezirksräte wieder eingesetzt – und übernahmen aufgrund der Kantonsverfassung auch wieder richterliche Kompetenzen. Monika Beck hat im Rahmen ihrer Masterarbeit über 1000 Delikte untersucht, die zwischen 1803 und 1818 in den Bezirksräten von Pfäffikon und Wollerau verhandelt wurden. Über 17 Prozent der Fälle betrafen Holzfrevel, 14 Prozent Beleidigungen und je rund 10 Prozent Diebstähle und Lasterhaftigkeit. Dazu kamen Grobheit, Schlägereien, Streit und Nachtruhestörung, aber auch die Beherbergung und Arbeitsvergabe an Fremde oder die Verantwortung als Arbeitgeber. Bei der Vertiefung der Delikte im Bereich Holzfrevel und Lasterhaftigkeit zeigt sich nicht nur, dass das Rechtssystem funktionierte und Arme wie Reiche, Arbeitslose wie Fabrikherren oder Säckelmeister bestraft wurden. Spannend ist, dass in einzelnen Fällen eine Art «Dorfrecht» respektive Ortspraxis zur Anwendung gelangte. Deutlich wird auch die Absicht, vulnerable Menschen zu schützen.
 
Schwyz – keine archäologische «Terra incognita» mehr
Teils spektakuläre Funde haben den Kanton Schwyz in den vergangenen Jahren zu einem «Archäologie-Hotspot» werden lassen. Die Ergebnisse von Grabungen im Muotatal oder auch am Seedamm im Zürichsee haben teils weltweit für Aufsehen gesorgt. Die Untersuchung beim Dorfplatz Immensee wurde 2021 gar als internationale Fundstelle des Jahres bezeichnet. Ralf Jacober, der von Seiten des Staatsarchivs Schwyz die archäologischen Aktivitäten begleitet, stellt in einem Übersichtsbeitrag die zentralen Funde dar, die in den vergangenen Jahren für die Perioden der Eiszeit bis ins Mittelalter gemacht wurden. Deutlich wird an diesem Beitrag, dass gerade bei der Bewertung der frühzeitlichen Entwicklung vieles im Fluss bleibt – und die Schwyzer Kantonsgeschichte von 2012 zum Beispiel vieles noch nicht enthält, was unser Bild heute vollständiger macht.
Internationale Pfahlbau-Fundstelle 2021: Der Titel in den «PalafittesNews» der Koordinationsgruppe Unesco-Welterbe lautet: «Immensee-Dorfplatz – ein jungsteinzeitlicher Umschlagplatz für die überregionale Versorgung mit Steinbeil-Rohstoff?»

Für die Wahl eines Beichtvaters nach Avignon
Albert Hug hat mit der Bearbeitung und Kommentierung von Quellen in früheren «Mitteilungen» schon spannende Einblicke in die spätmittelalterlichen Lebenswelten gewährt. Nun hat eine im Staatsarchiv Schwyz liegende Urkunde vom 1. November 1362 sein Interesse geweckt. Landammann Konrad Ab Yberg erhielt von der in der katholischen Kirche zuständigen Stelle in Avignon so genannte Gnadenerweise, die es ihm unter anderem ermöglichten, einen eigenen Beichtvater zu wählen. Albert Hug begibt sich auf Spurensuche und nimmt eine Einordnung der gewährten Gnadenerlasse vor. So gelingt es ihm, aus den spärlichen Informationen mögliche Motivationen für die «Beschaffung» dieser Rechte durch Ab Yberg zu ergründen und Aussagen zum Frömmigkeitsverhalten im 14. Jahrhundert zu machen. 
 
Abgerundet werden die «Mitteilungen» durch den Bericht von Monika Twerenbold zu den Aktivitäten der Denkmalpflege im Jahr 2021. Begleitet wurden unter anderem die Sanierung der alten Marienkirche in Seewen, die Restaurierung des Palais Kyd in Schwyz, des Gasthauses Bauernhof in Goldau, des Hotels Seehof in Küssnacht oder der Schrähbachbrücke in Innerthal. Natürlich fehlt auch die Bibliographie 2019 des Kantons Schwyz nicht, die von Martina Kälin-Gisler und Markus Rickenbacher erstellt wurde.

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