Die neuen «Mitteilungen» 2023 sind da!


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Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 2023 (Heft 115) erschienen

Willkommen zur historischen Entdeckungsfahrt durch den Kanton Schwyz
HVS. Fragen zur Stromversorgung werden nicht erst heute heiss diskutiert. Schon Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde heftigst darüber gestritten, wie der Beitrag in den soeben neu erschienen «Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz» von Johannes Wahl über den Bau des Kraftwerks Wägital darlegt. Während dessen Entstehungsgeschichte bereits aus technikhistorischer Sicht aufgearbeitet worden ist, nähert sich Wahl der Thematik mit Hilfe von neuen Ansätzen. Er ordnet den Bau in die Überlegungen auf nationaler, kantonaler und regionaler Ebene ein, welche im Vorfeld des Baus rund um das und weitere Infrastruktur-Grossprojekte gemacht wurden. Dem «kleinen Opfer» der Verdrängung von 37 Innerthaler Haushalten stand die laut Argumentation der Befürworter schweizweit dringend benötigte Stromproduktion gegenüber. Über die Köpfe der Direktbetroffenen hinweg wurde ein gemeinsamer Nenner gesucht – und gefunden: Kraftwerke sind wünschenswert und notwendig. 
Neben dieser elektrisierenden Geschichte vereinigt der von Philipp Krauer erstmals redigierte Band auf 197 Seiten noch zehn weitere Beiträge mit ganz unterschiedlichem Fokus – und teils überraschenden Erkenntnissen.
Während der Pegel des Wägitalersees bereits steigt, werden am 1.Juli 1924 noch mehrere Häuser geräumt. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Innerthal mussten damals ihre Wohnsitze zugunsten des Staudammprojektes verlassen. Staatsarchiv Schwyz, SG.CIV.10.98.

Der «Widenhof» und die Familie Bruhin
Selten lässt sich das Schicksal eines Bauernbetriebs über mehrere Jahrhunderte in den Quellen verfolgen. Im Fall des «Widenhofs» in Siebnen-Wangen ist dies möglich. Andréa Kaufmann hat sich auf die Spuren des Hofes und der Familie von Martin Bruhin begeben, welche seit dem 17. Jahrhundert in Beziehung zum Hof steht. Entstanden ist ein interessanter Einblick in die Geschichte der Familie und des Hofes, aber auch in das Wirken der Familie in Wangen und Siebnen.
 
Siebnen, eine Mischung aus Bauern- und Fabrikdorf, im Jahr 1966 in Richtung Wägital. Im Vordergrund die Spinnerei Wirth; links unterhalb der von Obstbäumen umgebene Widenhof. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_F66-08571 / CC BY-SA 4.0.

Der «Einsiedlerhof» – mehr als ein Verwaltungsgebäude
Mit dem Spatenstich zur Überbauung des Areals «Einsiedlerhof» wurde im Sommer 2023 die nächste Etappe der wechselvollen Geschichte des Geländes am Rand des Einsiedler Klosterplatzes eingeleitet. Patrick Schönbächler nahm dies zum Anlass, um auf die 275 Jahre zurückzublicken, seit an diesem Ort ein stattliches Haus für den Schwyzer Kanzler Jütz errichtet worden war. Dabei kann er von Poltergeistern, Hühnerzüchtern, Spitalersatzbauten und vielem mehr berichten.
 
Recht mit Karten setzen
Vertragliche Regelungen, welche Grund und Boden betreffen, werden im 21. Jahrhundert kaum mehr ohne Karten- respektive Planwerke verbrieft und dokumentiert. Diese Entwicklung setzte bereits im 14. Jahrhundert ein. Zeitlich verzögert erstellte auch die Schwyzer Obrigkeit Planwerke, wenn es um die Dokumentation der Lösung von Grenzstreitigkeiten ging – oder, wie Ralph Ruch aufzeigt, um die Definition von Ansprüchen auf Alpen und anderes. Dass Karten nicht einfach isoliert betrachtet werden können, wird anhand eines Beispiels um Streitigkeiten auf der Ruosalp gezeigt.
Karte der Alp Galtenäbnet und der Grenze zwischen Uri und Schwyz, 1728. Bild: Staatsarchiv Schwyz, SG.CIII.355.

Siegel und Wappen als Zeichen der Macht
Was heute die – elektronische – Unterschrift ist, waren im Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit Siegel. Annina Michel stellt in einem reich bebilderten Beitrag nicht nur die Merkmale von Siegeln und Wappen dar, sondern erläutert auch die rechtliche wie symbolische Bedeutung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Schwyzer Siegel, von dem es bis ins 18. Jahrhundert fünf verschiedene Versionen gab.
 
Schwyzer «Seekrieger»
Heute kaum mehr vorstellbar, aber Mitte des 15. Jahrhunderts Realität waren Seegefechte auf dem Territorium der Schweiz. Valentin Kessler hat die Schwyzer Flotte auf dem Zürichsee, welche im Alten Zürichkrieg zum Einsatz kam, näher untersucht, bildlich dokumentiert und den Konflikt in ein grösseres Ganzes gestellt. Eindrücklich, wie sich die Kriegsparteien auch «auf See» hochrüsteten und gegenseitig hochschaukelten.
 
Beeindruckende Portrait- und Bildersammlung
Der Brunner Franz-Xaver Dettling verfügt über eine eindrückliche Bildersammlung zu Ansichten der Urnerseeregion mit Schwerpunkt Brunnen. Dazu kommen zahlreiche Portraits der Familien Dettling und Auf der Maur. Michael Tomaschett konnte diese im Rahmen der kantonalen Kunstdenkmäler-Inventarisation sichten. In den «Mitteilungen» werden die acht Portraits und 36 Gemälde, welche aus dem 18. bis ins 20. Jahrhundert stammen, inventarisiert.
 
Ein genauer Blick lohnt sich
In unserer schnelllebigen Zeit passieren wir viele Kleinode, über deren Werden wir oft wenig bis nichts wissen. Lucas Steiner hat auf dem Friedhof Bifang in Schwyz das markante Grabmal der Familie von Müller näher unter die Lupe genommen – und dabei viel Interessantes zur Stifterfamilie von Müller, zum Bildhauer Louis Wethli, Zürich, und zum Gestalter, seinem Vorfahren und Architekten Clemens Steiner, herausgefunden.
Dass auch Schnecken einiges über die Entwicklung unserer Vegetation aussagen können, zeigen die Untersuchungen von Nigel Thew und Urs Leuzinger zu den Schneckenschalen aus der mittelsteinzeitlichen Fundstelle Flözerbändli im Muotatal.
Ein vertiefter Vergleich von mittelalterlichen Urkunden kann ebenfalls spannende Unterschiede und neue Erkenntnisse hervorbringen. So sind vom Bund von Gersau und Weggis mit den vier eidgenössischen Orten Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern vom 31. August 1359 in drei Urkundenversionen überliefert, wie Albert Müller und Philipp Krauer zeigen.
In einem reich bebilderten Beitrag berichten schliesslich Ulrike Gollnick und Monika Twerenbold von der Restaurierung eines mittelalterlichen Blockbaus in Oberschönenbuch. Sie zeigen darin, wie sich die alte und neue Bausubstanz in- und aneinanderfügen.
Lage der archäologischen Grabung Flözerbändli am Fuss der überhängenden Felswand in der Gemeinde Muotathal im Sommer 2021. Foto: Staatsarchiv Schwyz, Urs Leuzinger.
Natürlich fehlt auch die Bibliographie 2020 des Kantons Schwyz nicht, die von Ralf Jacober, Martina Kälin-Gisler und Markus Rickenbacher erstellt wurde.
 
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